Eine Geschichte die zum Nachdenken anregt....

Ein ganzes halbes Jahr - Jojo Moyes

Worum es geht:

 

Die junge mittellose Kellnerin Lou verliert ihren Job, als ihr Café schließen muss. Unzählige Anfragen beim Jobcenter bringen nichts, doch schließlich bekommt sie das Angebot einen Schwerstbehinderten zu pflegen. Mit gemischten Gefühlen bewirbt sie sich für diesen Job, eher aus Geldnot, denn aus freiem Willen.
Der Patient Will erweist sich als richtiges Ekel. Schon bei der ersten Begegnung spielt er Lou einen Geisteskranken vor, der sie vertreiben soll. Alleine das Geld, welches ihre Familie dringend braucht, lässt sie ihren Job akribisch durchführen und je länger sie in Wills Gegenwart ist, umso mehr wird sie sich dessen bewusst, was er wirklich verloren hat...

 

 

Die Charaktere:

 

 Lou Clark wirkt auf den ersten Blick sehr einfach gestrickt. Sie zieht sich ihrem Geschmack entsprechend an, und der ist sehr eigenartig, sieht am liebsten ihrem Freund Patrick beim Trainieren zu, obwohl sie mit Sport nichts am Hut hat, und verbringt ein eher langweiliges Leben, dennoch merkt man im Verlauf der Geschichte, was sie zu dieser Frau geformt hat, die sie nun ist und das hinter dieser einfachen Fassade, ein Lebenshunger steckt, der einfach nur geweckt werden will.

 

Will Traynor hingegen ist voller Energie, er will alles erleben, er will jeden Ort der Welt erkunden, doch als das Schicksal ihn an den Rollstuhl fesselt, verliert er jeglichen Lebensmut. Der Wille, all diese Dinge zu tun, ist noch da, und das ist, was ihn am meisten quällt. Er weiß ganz genau, was er verloren hat, was er vor dem Unfall war und kann sich daher nicht mit diesem viel zu schrecklichen und schmerzvollen Dasein abfinden. Auch die Auswirkungen seiner Behinderung, die Tatsache, dass er gerade mal einige Finger bewegen kann, drohende Amputationen und ein Leben voller Infektionen und Schmerzen erhöhen nicht gerade seine Lebensqualität, daher trifft er einen folgenschweren Entschluss...

 

Die anderen Charaktere waren ebenfalls gut ausgebaut, besonders hat mir Lous Familie gefallen, die Beschreibungen waren so warm und lebendig, als wäre diese Familie wirklich.

Nathan, Wills Pfleger, erschien mir auch als sehr glaubhaft dargestellt. Ein wenig Probleme hatte ich mit Wills Eltern und seiner Schwester.

 

 

Meine Meinung:

 

Dieses Buch hat mich ziemlich nachdenklich gestimmt. Obwohl ich es an einem Tag gelesen habe, musste ich darüber nachdenken um den Inhalt wirklich zu begreifen.

Wie ist es, wenn man verliert, was man als selbstverständlich erachtet? Was bereitet einem Freude, wenn dafür auf der anderen Seite ein Leben voller Schmerzen steht?

Kann man in die Zukunft schauen, mit dem Wissen, dass man vielleicht Arme oder Beine verliert? Kann ein Mensch etwas derartiges ertragen?

 

Ich muss gestehen, ich habe keine Ahnung. Es gibt nichts, was mich diese Situation wie ein wirklich Betroffener fühlen lässt. Die Geschichte von Jojo Moyes ist sehr ausführlich und glaubhaft beschrieben, sie verbirgt und verharmlost nichts. Nicht die Probleme, die auftreten, wenn man an einen Rollstuhl gebunden ist, auch nicht die Auswirkungen einer solchen Behinderung, das Tragen eines Katheters, das tägliche Einnehmen von Medikamenten.

Da kann man sich als Leser fragen, wie verliebt sich eine junge Frau in einen Mann, der ein solches Schicksal aufgebürdet bekam? Es muss doch unglaublich schwer sein, so etwas zu schreiben.

Ich weiß nicht, ob es für die Autorin schwierig und kompliziert war, aber ich weiß, dass sie ihren Job gut gemacht hat. Die Beziehung der beiden entwickelt sich nach und nach. Es gibt keine ausschweifenden Sexszenen, sondern das Näherkommen von zwei Personen, die am Ende merken, dass sie etwas verbindet, das zu Liebe geworden ist.

 

Einziger Kritikpunkt sind manche Parallele zu einem älteren Film mit Julia Roberts "Eintscheidung aus Liebe/Dying young" Die mittellose junge Frau, die bei einem reichen, schwerstkranken jungen Mann angestellt wird und sich dann in der Bibliothek auf dem neuesten Stand über die Krankheit bringt. Noch dazu das Labyrinth, welches in Jojo Moyes Buch eine andere Bedeutung hat, als in dem Film. Das gibt für mich einen halben Stern Abzug.

Manche Rezensenten verweisen auch auf den Film "Ziemlich beste Freunde" in diesem jedoch trifft der Betroffene eine gänzlich andere Entscheidung als Will und es geht eben um Freundschaft, nicht um Liebe, daher finde ich, dass es sich hierbei um eine ganz anderes Thema handelt. Tomatensuppe ist nicht gleich Kartoffelsuppe, auch wenn es zur gleichen Speiseart gehört, wenn man mir den Vergleich erlaubt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SPOILER:

 

 

 

 

 

 

 

 

Bis auf diese Punkte, kann ich die Geschichte gerne weiterempfehlen. Wer jedoch auf ein Happy End steht und es nicht leiden kann, beim Lesen einen Kloss im Hals zu haben, der sollte die Finger davon lassen.

 

lg Christina